Am Ende einer Reise
Von tanalahy • 7. August 2008 • Kategorie: Madagaskar •Madagaskar fasziniert mich nicht nur mit unvergesslichen Bildern. Es sind auch die Widersprüche des fernen Minikontinentes, die sich oft dem Verständnis eines «Vazaha» entziehen.
Wirklich fremd ist nur der Ort, der das vermeintlich Eigene nachhaltig in Frage stellt. Die Reise dorthin ist schmerzhaft und lohnend. Denn von solchen Orten kehrt der Reisende als ein Anderer zurück.
« VaoVaoWeb » entstand als Reaktion auf das Unverständnis, nachdem die Fragen nach Pfeffer, Vanille und Lemuren beantwortet sind.
Michael Stührenberg stammt aus Paderborn, lebt in Paris und schreibt als Madagaskar-Kenner für GEO. In seinem neuen Buch “Rückkehr nach Lemuria” aus dem Picus Verlag schreibt er:
« Côtiers und Merina teilen sich Madagaskar: die politische Macht, die auf Ahnenkult beruhende Religion und einen lebhaften Haß aufeinander, der sich bei dem einen mit Komplexen, bei den anderen mit Verachtung paart. Urlauber behaupten oft, Madegassen seinen die sanftesten Leute der Welt. Wie sind sie nur auf diese seltsame Idee gekommen? »
Madagaskar ist ein Land mit viel Licht und viel Schatten. Und eine Schatzinsel…
Auf Madagaskar holt man in manchen Regionen die Toten gerne aus ihren Gräbern, verhüllt sie mit bunten Stoffen und feiert ein berauschendes Fest; man kleidet die Toten neu ein, wählt prächtige Farben, die den Tod blenden sollen, die sogar er lieber meidet. Wenn man dies beherzigt, lässt sich alles Unglück avon der Familie bwenden und der Mensch kann frei von aller Schmach und Not leben. Und am Ende eines solchen Lebens findet sich vielleicht tatsächlich eine Inschrift in Stein gemeißelt: Er war wahrlich gut!
Kinderlos zu leben ist für Madagassen ein unerwünschtes Schicksal. Falls dies eintrifft, wird das Ehepaar alles nur mögliche tun, um diese Tragik abzuwenden, so wird es einen oder mehrere ombiasy (Zauberer) besuchen und wird an Opfersteinen Gaben hinterlegen. Jede Schwangerschaft, auch von minderjährigen unverheirateten Mädchen, wird trotz der ökonomischen Nachteile freudig begrüsst. Unfruchtbarkeit (nomba) wird einzig auf die Frau zurückgeführt und nicht auch auf eine mögliche Zeugungsunfähigkeit des Mannes. Eine Geburtenkontrolle und Familienplanung ist im ruralen Gebiet kaum bekannt.
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