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Die Faszination des Fremden.

Die Chóra von Amorgos

Von • 7. August 2008 • Kategorie: Greece

„Elli kommt immer zu spät“ titelte einmal „Die Zeit“ in einem Reisebericht über die Kykladen. Kein Wunder. Bediente doch die elegant gebaute „Elli“ die Route Piräus – Rhodos und klapperte dabei die Inseln der Kykladen und des Dodekanes ab. Sie holte mich so manches mal auch von Amorgos ab.

Kaum dem Bus vom Hafenort Katapola kommend entstiegen, blendet das grelle Weiß der Chóra die Augen.    Es ist dieser Wind, der jeden Dunst vertreibt. Dadurch kann das ägäische Licht diese unvergleichliche Klarheit erzeugen, die an jeder Ecke neue Überraschungen herbeizaubert. Einen Ort, in dem es beinahe mehr Kapellen und Kirchen als Familien gibt, findet man wohl nur auf den Griechischen Inseln. Eine überschaubare Welt.

Wer nach dem ersten Rundgang nicht für länger bleibt, kann nicht von der süchtig machenden Aura der Chóra berichten. Oder aber, er flieht vor der Allmacht des Meltemi, dem unberechenbaren Wind der Ägäis.

„Ein Ort des Windes. Hier habe ich gelebt, gedacht und geschrieben, und hier lauschte ich Tag und Nacht dem Wind, der um alle Hausecken fegte und durch sämtliche Türritzen pfiff. Ein launischer Wind, unberechenbar und gefährlich, verführerisch auch. Ein Wind, der verrückt machen soll – sagt man. Anfangs hab ich darüber gelächelt, wollte nicht so recht daran glauben, bis ich selber erkannte, welches Spiel er mit mir spielt. Unmöglich, ihm zu entkommen; er holt mich überall ein, jagt über mich hinweg und wechselt blitzartig die Richtung, um mir ins Gesicht zu peitschen und den Atem abzuschneiden. Er ist listig, hinterhältig und rücksichtslos. Und er verhext alle, die nicht rechtzeitig die Insel verlassen. Man wird besessen von ihm. Man wird seine Gefangene.“

Liselotte Breyer (aus Hirnblüten)

„Viele Freuden bietet diese Welt – Frauen, Früchte, große Ideen. Doch gibt es glaube ich, keine Freude, die das menschliche Herz so bewegt, so tief in das Paradies versenken kann, als wenn man, den Namen jeder einzelnen Insel flüsternd, auf einem hellenischen Schiff dieses Meer durchfurcht. Die Grenzen verschwinden zwischen Wirklichkeit und Traum, und die Masten selbst des alterschwächsten Schiffes treiben Knospen und Weintrauben …“

Niko Kazantzakis

Nachdem Luc Besson mit seinen Kultfilm Le Grand Bleu einen Kinohit landen konnte, war auf Amorgos die Hölle los. Denn hier hat er dieses unvergleichliche tiefe Blau des Meeres gefunden. Hauptdarsteller Jean-Marc Barr konnte noch für sich in Anspruch nehmen, nicht ganz von dieser Welt zu sein. Enzo war da schon handfester. Die Begeisterung in den Kinos schlug hohe Wellen. Ein nicht enden wollender Besucherandrang auf Amorgos war die Folge. Zeit für einen Abschied.

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